NICOLE & FÉLIX LE GARREC

Das Abenteuer "Bretagne-Films"
 


















Nicole und Félix Le Garrec

Monsieur Le Garrec, wie begann das damals mit Ihrer Karriere als Photograph ? Hat das alles in Plounéour-Lanvern angefangen ?

F. Le Garrec: Ja. Ich bin in Plounéour geboren. Nicole lebte 10 km weiter in Plogastel. Wir waren für etwa 12 Jahre als Photographen in Plounéour-Lanvern. Den Laden gibt es immer noch. Ich habe ihn an einen der Angestellten verkauft.

Es gab viel Arbeit, die typischen Photos, die alle Photographen machen: Hochzeitsphotos, Babyphotos, gewerbliche Aufnahmen - nebenbei war ich viel mit der Kamera unterwegs und habe für meine Ausstellungen photographiert. Eines Tages wurde ein Filmproduzent auf meine Photos aufmerksam. Er fragte mich, ob ich bei einem seiner filme mitmachen wollte. Und bei dieser Gelegenheit begannen wir uns zu sagen, dass wir auch mal etwas anderes ausprobieren werden. Wir verkauften den Laden und spezialisierten uns auf die Vorführung von Diaschows.
Wir projezierten Bilder, der Ton kam vom Tonband... da ging es zum Beispiel um den Aufstand der "bonnets rouges", um die Fischerei und verschiedene andere bretonische Themen. Wir zeigten diese Vorführungen in den Schulen, in den Kapellen und auch in Kinosälen, überall dort, wo es ein Publikum gab.

Dann kaufte ich eine Filmkamera. Ich war für die Technik zuständig und Nicole schrieb die Drehbücher, sie entwickelte die Ideen für die Drehbücher. Das war der Moment, wo begannen, Filme für das Kino zu drehen.

Wann genau war das ?

Nicole und Félix Le Garrec in Plounéour-Lanvern N. Le Garrec: Das war in den 70er-Jahren. Nach den Ereignissen von 68, all die Ideen dieser Jahre, die bretonische Identität, die Rückkehr zu den Wurzeln...Als Photographen wären wir ansonsten wahrscheinlich nach Paris gegangen. In Frankreich ist alles sehr zentralisiert und als man ihm vorschlug als Reporter zu arbeiten, da wäre eigentlich Paris angesagt gewesen. Aber genau zu dieser Zeit haben wir uns gesagt, dass wir genau diese Arbeit hier in der Bretagne machen wollen, dass wir hier leben wollen.

Wir haben also versucht, das alles miteinander zu verbinden und aus diesem Grund haben wir diese Diavorführungen gemacht. Das war in einer Zeit, als es jenseits von Paris so gut wie keine Filmemacher gab. Jeder, der in Frankreich Filme drehte, lebte in Paris.

Wir zeigten unsere Diashows vor Ort, wir gingen in die Kapellen (beispielsweise die Kapelle von TronoŽn...), in den Bistrots... Wir drehten Filme über die Bretagne und dort gab es auch das Publikum für diese Filme und so haben wir uns durchgeschlagen.

Dann sind wir einem anderen Filmemacher begegnet: René Vautier, der damals "Avoir vingt ans dans les Aurès" gedreht hat (der bekannteste Film des Regisseurs aus Camaret über den Algerienkrieg). Mit ihm zusammen haben wir Spielfilme gedreht, wir haben gemeinsame Produktionen auf die Beine gestellt und so kamen wir schließlich von den Diavorführungen zum Film.

Danach kam "Plogoff, des pierres contre des fusils", der Film über die Ereignisse von Plogoff und das Atomkraftwerk, dessen Bau durch den Widerstand der Bewohner von Plogoff und all die anderen Demonstranten verhindert werden konnte. Dieser Film war ein großer Erfolg. Das war ein Dokumentarfilm, der sogar in den kommerziellen Kinos gezeigt wurde. Dadurch wurden wir bekannt. Das war 1980 und 1981 gab es in Frankreich in der Politik einen Machtwechsel. Die Linke kam an die Regierung.
Um gegen die sehr starke Zentralisierung in Frankreich vorzugehen beschloss Jack Lang (der damalige Kulturminister) die Schaffung von regionalen Filmwerkstätten. Dort konnte man das Filmhandwerk erlernen. Das zog diejenigen an, die bereits Filme gemacht hatten und so gab es bald 5 derartige Lehrwerkstätten in ganz Frankreich. Und wir wurden damit beauftragt, das Studio in der Bretagne aufzubauen und zu betreuen.

So wurden wir also Ausbilder noch bevor wir selber einen Film gedreht hatten. In der Folge unterstützten wir junge Filmemacher bei ihren ersten Produktionen. Wir boten auch Spielfilmkurse an. Das dauerte so bis 1998.

War dieses regionale Ausbildungsprogramm erfolgreich ?

Nicole und Félix Le Garrec in Plounéour-Lanvern N. Le Garrec: Viele haben diese Kurse absolviert und einige von ihnen haben es auch als Filmemacher Karriere gemacht. Zu Beginn wollten sie vor allem Spielfilme drehen. Das war eigentlich auch die Idee von jack Lang. Aber kurz darauf gab es eine Wirtschaftskrise. So um 1984/85 hatten wir in Frankreich eine starke wirtschaftliche Krise und das Kino hatte auch sehr darunter zu leiden. Es war dann sehr schwierig, Spielfilme zu drehen. Das war wieder so eine Zeit, da hätten wir eigentlich nach Paris gehen müssen. Diese Jugendlichen, die wir ausgebildet haben, die haben sich dann meistens auf die Produktion von Dokumentarfilmen verlegt und dank dem Fernsehen können sie damit auch ganz gut leben. Aber es war tatsächlich alles viel schwieriger, als wir anfangs dachten.

Die Fernsehanstalten geben eher Dokumentarfilme in Auftrag als Spielfilme. Heutzutage ist es viel schwieriger, einen Spielfilm zu drehen als einen Dokumentarfilm, weil ein Spielfilm viel mehr kostet. Es gab eine Zeit in Frankreich, da war es noch viel einfacher Filme mit niedrigen Produktionskosten unterzubringen. Heute macht das amerikanische Kino der französischen Filmindustrie starke Konkurrenz.

Im Internet kann man Ihre homepage www.bretagne-filmes.com besuchen, die von Ihrem Sohn aufgebaut wurde. Erhalten Sie über diese homepage auch Reaktionen ?

F. Le Garrec: Sehr häufig sogar! Auf diese Weise konnten wir Kontakte zu Leuten entwickeln, an die wir sonst nicht einmal gedacht hätten. Wir erhalten Anfragen für Filmvorführungen oder auch Anfragen, wo man das Buch "Siècle des Bigoudènes" kaufen kann, das Nicole geschrieben hat... So ergeben sich viele Begegnungen. Wir erhalten sehr viel Lob für diese homepage. Zur Zeit gibt es die Seite auf französisch, englisch und teilweise auf bretonisch.

Wie verkauft sich das Buch über das "Siècle des Bigoudènes" ?

F. Le Garrec: Das Buch wird immer noch sehr oft verkauft. Das ist gut... Das ist die Ernte von 30 Jahren Arbeit und ich kann immer noch Photos verkaufen, die ich vor 30, 35 Jahren aufgenommen habe. Die stoßen vor allem bei bestimmten bretonischen Buchproduktionen auf Interesse.

Im letzten Jahr hatte ich die Möglichkeit, Ihr persönliches Archiv zu besuchen, das unglaubliche Schätze birgt. Gibt es diesbezüglich irgendwelche Projekte ?

Nicole und Félix Le Garrec in Plounéour-Lanvern N. Le Garrec: Wir hatten da so eine Idee für ein Buch über Ouessant, aber es ist wahr: wir werden ein klein bisschen faul ! Wir reisen herum und besuchen oft Freunde. Wir werden uns diesen Winter damit befassen, wenn es ein bisschen ruhiger ist. Ich habe auch noch andere Pläne, ich möchte schreiben. Aber das hat Zeit bis zum Winter, dann ist es ruhiger. Félix und ich, wir ergänzen uns sehr gut. Das ist so, seit wir verheiratet sind, jeder hat seinen Bereich.

Gibt es ganz konkrete Projekte für die nächste Zukunft ?

N. Le Garrec: Ja, die Verwertung der Bücher und der Photos, die Félix aufgenommen hat, und wir werden auch weiterhin den Film über Plogoff vorführen. So lange, wie den Widerstand gegen derartige Vorhaben gibt.

F. Le Garrec: In der Bretagne gibt es viele Pläne für Müllverbrennungsanlagen und ähnliches...und es gibt das Engagement gegen die Ausweitung der Industrie in der Bretagne (wie beispielsweise in Milliziac). Plogoff ist ein wichtiges Beispiel für diesen Widerstand und wir werden oft darum gebeten, den Film vorzuführen, um die Leute motivieren.

Wie steht es mit den anderen Filmen, die Sie gedreht haben ?

N. Le Garrec: Dominique (Le Guichaoua) hat uns darum gebeten nächstes Jahr bei ihm in Plomelin einen Film vorzuführen, den wir über und in Wales gedreht haben. Thema des Films ist ein Spiel: "galoche" und der Film heißt auch so: "La Galoche". Das war eine Koproduktion mit den Walisern.

Damals waren einige Bretonen, unter ihnen auch mein Vater, nach Wales gefahren, um den Walisern dieses Spiel beizubringen. Das waren alles "bretonnants", also Leute, die bretonisch sprachen und so haben die Waliser und die Bretonen versucht sich in ihren Sprachen zu unterhalten (Anm. d. Verf.: die bretonische und die walisische Sprache haben gemeinsame Wurzeln). Im Film kann man das beobachten und das ist es, wofür Dominique sich interessiert.
Es gibt einen weiteren Film, der ihn interessiert. Das ist der Film über die "Fleur de Laimpol". Das ist der Name eines Schulschiffes. Der Film heißt "Les enfants dauphins" ("Die Delphinkinder") und er möchte den Film gerne in den Schulen zeigen, auch in seiner Schule. Diese Vorführungen laufen immer sehr unterschiedlich ab, weil es jedes Mal ein anderes Publikum ist und es ist sehr spannend für uns zu beobachten, das diese Filme auch heute noch ein Publikum finden.

Erst vor kurzen gab es in der Nähe von Paris ein kleines Filmfestival, zu dem ich als Präsidentin der Jury eingeladen war und demnächst (September 2002) sind wir zum Filmfestival auf der Insel Groix eingeladen. Die Schriftstellerei, die Ausstellungen, die Festivals, die Vorführungen, die Begegnungen, all das mittlerweile beschäftigt uns sehr.

(Interview, Übersetzung und Photos: Willi Rodrian, 2002/2003)

Filmographie:

1975: La langue bretonne
1980: Plogoff, des pierres contre des fusils
1980: Le Santik Du
1987: La Galoche
1990: Les Enfants Dauphins
1993: La porte du Danube
1995: Pierre-Jakez Hélias, l'émerveilleur