AKTUELL

Juli 2003

Festival de Cornouaille (19.-27.Juli 2003)


WQuimper 2003, 'Rencontre(S) en Bretagne' "Seit 80 Jahren ganz vorne"

von Dominique Le Guichaoua
(in: TRAD MagazineN° 90, Juli/August 2003)


Mit so herausragenden acts wie den Simple Minds, Souad Massi, Gilles Servat, O'Stravaganza..., mit all der Tradition, einer Menge Neuentdeckungen und Neuschöpfungen, wird das älteste französische Festival auch dieses Jahr wieder etwas ganz besonderes sein. Eigens zum 80-jährigen Jubiläum findet eine große Aufführung Spektakel statt. In Quimper findet die bretonische Sehnsucht nach Begegnung seit Jahren ihren intensivsten Ausdruck. "Kultureller Reichtum ist immer ein Ergebnis des Kontaktes mit anderen" bemerkt Jean Philippe Mauras, der künstlerische Leiter und erinnert damit an die Besonderheit eines Festivals, das immer ein bisschen verkannt wurde, das jedoch eine ganz besondere Vergangenheit hat und gleichzeitig unveränderlich den Blick nach vorne wendet.

Zurück zu den Ursprüngen...


Als wir uns mit den Archiven beschäftigt haben, wurde uns klar, dass es immer eine Beziehung zwischen dem Festival und der bretonischen Geschichte gab. Das Veranstaltungskonzept hat im Lauf der Jahre angepasst. 1923 bildete die Versammlung der lokalen Schönheitsköniginnen aus der Cornouaille die Grundlage des Festivals, die die Grundlage des Fête bildete. Bei dieser Gelegenheit wurde dann eine von ihnen zur "Miss Cornouaille" gewählt. einer Unterbrechung von 9 Jahren, waren es im Prinzip dieselben Veranstalter, die beschlossen, die Fête nach dem 2.Weltkrieg wieder ins Leben zu rufen. So wurden 1948 die "Grandes Fêtes de Cornouaille" geboren, die 1982 aufgrund ihrer Bedeutung zum Festival wurden.
In den 50er Jahren war diese bedeutendste kulturelle Veranstaltung der Bretagne gleichzeitig ein Jungbrunnen für die verschiedenen "cercles celtiques". Zu dieser Zeit entstanden die bagadoù und die "concours des sonneurs" tauchten wieder aus der Versenkung auf. Zu den Organisatoren gehörten unter anderen Polig Monjarret (der Gründer von Kendalc'h), Per Jakez Hélias, Bernard De Parades, ...

'L'héritage d'une culture', Quimper 2003 Das Spektakel zur Feier des 80-jährigen Jubiläums findet unter dem Titel "Das Erbe einer Kultur" (L'Héritage d'une culture") statt.

Das Festival selber, es ist eines der ältesten von Frankreich, wird die Hauptperson dieser Aufführung sein. Wir haben alte Bilder und Filme gefunden, die projeziert werden. Darunter mischen sich dann die Künstler, die Tänzer und Musiker, die manchmal aus den Bildern herauszugehen scheinen. Auf diese Weise möchten wir im "amphythéâtre de la Résitance" eine komplexe und rhythmisch gestaltete Inszenierung realisieren, dort, wo damals alles begonnen hat. Diese Hommage ist nicht nur für die Bewohner von Quimper gedacht, sondern für das gesamte Publikum im besten Sinne des Wortes.

Die "Wahl der Schönheitskönigin" ist ein gutes Beispiel für die impliziten Widersprüchlichkeiten dieser Veranstaltung. Neben den eigentlichen Schönheitskriterien müssen die jungen Mädchen auch eine gewisse kulturelle Kompetenz unter Beweis stellen. Die große Parade ("défilé") ist ein weiteres Beispiel. Man hat ihr mittlerweile den Namen "Défilé breton" gegeben, weil nur noch wenige etwas mit der Bezeichnung "Défilé des guises" (Guises, vom bretonischen "gizioù: Bekleidung/Mode") anfangen konnten. Seit den 50er-Jahren ist dieser Aufzug einer der großen Momente des Festivals, der es auch bekannt gemacht hat. 1966 nahmen 116 Gruppen an der Parade teil (die meisten kamen aus der Bretagne)!

Wir würden das für die Jubiläumsfeier gerne wiederholen, aber das ist nicht möglich. Dennoch werden an diesem 27.Juli voraussichtlich über 60 Gruppen dabei sein und dank der "cercles celtiques" einen beeindruckenden bretonischen Trachtenzug präsentieren. Eine weitere Besonderheit: es ist uns gelungen, die "cavaliers de Kerfeunteun" wieder zu beleben. Die Bauern aus diesem Teil von Quimper haben bis 1957/58 regelmäßig ihre "glazig"-Trachten ("glazig" nennt man die Gegend um Quimper) vorgeführt und auf ihren Pferden bildeten sie das Ende der Parade. All das wird noch durch eine Ausstellung ergänzt, auf der die Plakate aller vergangenen Ausgaben des Festivals und andere Dokumente gezeigt werden. Und dann sind da noch die insgesamt 240 Konzerte und Veranstaltungen überall in der Stadt.

Von Zwängen und Besonderheiten...

Angesichts der anderen Veranstaltungen in dieser Periode, in Brest finden die "fêtes maritimes" statt und in Carhaix die "Vieilles Charrues", ist zu dieser Zeit im Finistère sehr viel los. Das Festival dauert jetzt zwei Tage länger als früher, also 9 Tage, wobei wir immer versucht haben, unseren zeitlichen Rahmen einzuhalten. Der zentrale Tag, der 4.Sonntag im Juli bildete jetzt zweimal den Beginn des Festivals und in diesem Jahr haben wir wieder den üblichen Ablauf geplant (d.h. Sonntag, der 27.Juli steht diesmal am Ende des Festivals. Die Leute können nicht gleichzeitig auf mehreren Hochzeiten tanzen.
Ein Festival, dessen Hauptthema die bretonische Kultur ist, kann und sollte nicht auf ein weiteres event zwischen den Segeln und den alten Pflügen (Vieilles Charrues) reduziert werden. Durch die zeitliche Verlängerung ist es nun wieder möglich, die Kirchenlieder im Programm aufzunehmen ohne, dass zur gleichen Zeit die bagadoù in unmittelbarer Naähe spielen. Dieses Jahr steht der Tanz im Mittelpunkt der Veranstaltungen des ersten Wochenendes. Das ist nur eine vorübergehende Lösung. Obwohl das Programm täglich von 10.00 bis 02.00 Uhr ohne Unterbrechungen durchgeht, achten wir darauf, die einzelnen Veranstaltungen nicht zu überfrachten.

500 Tänzer auf der Bühne. Quimper 2003 Wir wollen auch weiterhin das märchenhafte architektonische Ambiente beibehalten, obwohl wir uns der Nachteile dieser "location" bewusst sind. Die Veranstaltungsorte liegen alle sehr dicht beieinander und die belebten Straße erzeugen einen gewissen Partycharakter. In den Straßen von Quimper gibt es viele Boutiquen. Die Cafés und andere gesellige Orte sind weit genug voneinander entfernt und so ergibt sich eine Art entspanntes Miteinander, an dem uns sehr viel liegt. Die "place St Corentin" fügt sich als Veranstaltungsort wunderbar im Herzen der Stadt ein.

Das Motto des Festivals lautet "Rencontre(S) en Bretagne" und steht für die Offenheit für andere Kulturen und Musikströmungen. Bereits in den 50er-Jahren konnte man hier die ersten Pipe Bands sehen, verschiedene Gruppen aus den anderen Regionen in Frankreich und aus dem Ausland. So um 1968/69 wollten wir das Thema etwas mehr auf den Punkt bringen und nannten es "Festival Interceltique".
Unsere Einladung an Johnny Clegg war auch ein Vorschlag zur Zusammenarbeit mit dem Bagad Kemper, was schließlich das Festival selber überdauerte und einige weitere Konzerte zur Folge hatte. So gesehen ist das alles nichts neues. Die Grundsteine für diese Entwicklung wurden bereits vor 50 Jahren gelegt, als klassische Ensembles mit bretonischen Musikern zusammenspielten.

Vor kurzem erst hatten wir Kohann hier, eine Trip-Hop-Band mit einer bretonischen Sängerin. Die Vielfalt der bretonischen Kultur ergab sich immer auch aus dem Kontakt nach außen. Auch wenn regelmäßig ausländische Künstler am Festival teilnehmen, so bleibt die bretonische Kultur inhaltlich doch immer der zentrale Moment. Es gibt Leute, die sagen, dass man dauernd nur von diesen Begegnungen spricht. Aber das geht nun schon so seit 80 Jahren.

Schmelztiegel der bretonischen Kultur...

Die Sprache ist auch ein großes Thema. Das ist das Thema der gesamten Kulturszene. Die "Université d'été" (Sommerschule) bietet unserer Meinung gute Voraussetzungen für einen interessanten Austausch, vor allem für diejenigen, die von außerhalb kommen und sich über die verschiedenen Aspekte der bretonischen Sprache informieren wollen. Da gibt es jeden Tag ein anderes Thema. Das Festival wurde immer schon zweisprachig präsentiert. Bei den Programmheften soll das bretonische im Vordergrund stehen.

Das 'BD Swing Orchestra' aus dem Trégor. Quimper 2003 Aus Kostengründen konnten wir nicht alles zweisprachig gestalten. Wir haben ein bretonisches Glossar eingefügt, das es früher auch schon gab (damals von Per Jakez Hélias zusammengestellt). Wir haben viele bretonische Ausdrücke verwendet, ohne besondere Aufmerksamkeit darauf zu verwenden. Beispielsweise die Namen der Organisationen War'l Leur, Kendalc'h, Bodadeg er sonerion, Dastum... Wir haben versucht, diese Ausdrücke zu übersetzen. Das ist uns sehr wichtig. Und abgesehen vom symbolischen Aspekt ist es ja so, dass die bretonische Sprache eine sehr schöne Sprache ist, es ist ihr eine ganz besondere Musikalistät zu eigen!

Auch außerhalb der Saison finden in der Bretagne etliche Veranstaltungen statt. In der Cornouaille gibt es eine ganze Menge Gruppen, genauso viele gibt es aber auch im Trégor, in der Gegend von Rennes, von Redon etc.

4 Percussionisten und indischer Gesang: 'stok an dañs' in Quimper 2003 Das Festival darf sich nicht nur auf die Cornouaille beschränken. Deshalb tun wir uns mit den anderen Organisationen zusammen, wie beispielsweise dem "Kann ar Bobl, le trophée Roué Waroc'h, le Trophée Interlycées, Dastum...", um die jungen Formationen im Veranstaltungsprogramm aufzunehmen, die zu den Preisträgern der verschiedenen Wettbewerbe gehören. Wir haben zwar viel Platz zur Verfügung, aber wir versuchen möglichst viel Abwechslung ins Programm zu bringen. Bei den festoù-noz, die jeden Abend stattfinden, stellen wir Gruppen, Sänger oder Musiker vor aus den unterschiedlichsten stilistischen Bereichen. Einige der Festivalbesucher sind dort jeden Abend zum Tanzen. Wir wollen zwar keine "Tour de Bretagne" veranstalten, aber wir unterstützen die jungen Musikern gerne in ihrer Karriere. Eigentlich könnten wir locker 90 Tage einplanen.

Im Garten der Abtei stellen wir vor allem Musiker vor, die neue Wege beschreiten und geben ihnen so die Gelegenheit, Projekte zu präsentieren, die oft monatelang vorbereitet werden. Dieses Jahr bietet sich dem Publikum die Chance, "Jolie Vilaine" zu entdecken, eine Gruppe mit der Sängerin Véronique Bourjot. Außerdem "stok an dañs" (4 Percussionisten, etwas ganz neues für die bretonische Musik) und Gilles Le Bigot (seine wunderschöne CD mit Eigenkompositionen ist diesen Winter erschienen). Es muss neben all den bekannten Künstlern auch andere Veranstaltungen geben, so dass jeder etwas nach seinem Geschmack finden kann.

(Übersetzung: W.Rodrian, 2003)

Festival de Cornouaille

B.P 1315
29103 QUIMPER cedex
Telefon: 0033-2-98 55 53 53
Fax: 0033-2-98 55 35 60
e-mail: contact@festival-cornouaille.com

Informationen unter:

Internet: www.festival-cornouaille.com

Reservationen ab dem 19. Juni:
Salle du Chapeau Rouge (RDC)
Rue de Falkirk
F-29000 QUIMPER
Tel. 0033-2-98 55 53 53