VOIX DE LA TERRE
Festival de Cornouaille in Kemper, 25. Juli 2004

von: Adolf Goriup






Sonntagabends waren einige der besten Folk Musiker aus der Bretagne, Wales, Irland und Schottland im "Pavillon de Penvilliers" in Kemper zu Gast. Gilles le Bigot (Gitarre) hatte 4 Sängerinnen und 9 Musiker eingeladen und mit ihnen eine einzigartige Inszenierung keltischer Folkmusik für das Festival de Cornouaille in Kemper einstudiert.
'Voix de la Terre', mit (v.l.n.r.): Marthe Vassallo, Karan Casey, Julie Murphy und Karan Matheson
Karen Matheson (Gesang), Donald Shaw (E-Piano und Akkordeon) und Ewen Vernal (Kontrabass) von der schottischen Spitzenband Capercaillie haben gaelisch/schottische Klänge von den Highlands mitgebracht. Karan Casey (Gesang) und die beiden Mitglieder ihrer Band, Robbie Overson (Gitarre) und Niall Vallely (Concertina und Low Whistle) erfüllten den Saal mit irischem Folk, während Julie Murphy (Gesang) Wales repräsentierte. Jean-Michel Veillon (Flöten), Bernard le Dreau (Tenor Saxophon) Ronan Pinc (Fiddle) und Patrick Boileau (Drums und Perkussion) wie auch die Kan ha Diskan Sängerin Marthe Vassallo vertraten den bretonischen Folk.

Das Konzert schien ausverkauft zu sein und das Publikum wartete gespannt auf den Beginn des Spektakels. Ich hatte etwa 1100 km zurückgelegt, um dieses Ereignis nicht zu versäumen und als die Künstler 2 Stunden später die Bühne verliessen, bedauerte ich keine Minute der langen Reise. Auf dem Rückweg sollte mich dann die Erinnerung an ein außergewöhnliches Konzert vorantreiben. Gilles le Bigot führte uns durch den Abend und eröffnete das Konzert mit dem Instrumentalstück " An Danez Kozh". Bei diesem wie auch bei Donald Shaws "Ricard Pipe Band", einer schottischen Gavotte, Niall Vallelys "Malfunction Junction" oder bei den slow reels "Ker Jacob / Prince Eric" konnten die neun fantastischen Musiker ihr Können zur Schau stellen.
Julie Murphy aus Wales: eine der 'voix de la terre'

Allerdings war Ewen Vernals Duett auf dem Kontrabass mit Marthe Vassallo bei "An Distro" wohl ebenfalls einer der instrumentalen Höhepunkte. Donald Shaws Akkordeon Begleitung bei "Cowboi", gesungen von Julie Murphy, war ebenso schön wie seine Pianobegleitung zu Karen Mathesons Liedern oder bei Marthe Vassallos trauriger Ballade "Kuzh".

Dieses wurde noch durch das Zusammenspiel von Niall Vallely an der Concertina und Ronan Pinc an der Fiddle perfektioniert. Das Zusammenspiel von Ronan Pinc mit Jean-Michel Veillon an der Flöte und Bernard le Dreau am Saxophon war hervorragend und Patrick Boileau sorgte für die exzellenten Rhythmen. Ebenso ergänzten sich Gilles le Bigot und Robbie Overson optimal an den Gitarren. Gilles spielte die Rhythmusgitarre während Robbie uns mit seinen sensationellen Sololäufen begeisterte.


Nun aber zum Mittelpunkt des Abends - "les voix de la terre". 'Voix de la Terre', eine Inszenierung von Gilles Le Bigot mit den schönsten Stimmen aus Irland, Schottland, Wales und der Bretagne: Marthe Vassallo

Marthe Vassallo eröffnete den Reigen mit einem rhythmisch gesungenen Lied, einem Fisel. Bereits zu diesem Zeitpunkt war allen klar, dass dieser Abend ein voller Erfolg werden würde. Die zweite Sängerin, die auf die Bühne trat war die Waliserin Julie Murphy.

Nach dem langsamen Walisischem Lied "Can y Fari" brachte sie eine atemberaubende a Kapella Vorführung vor, die noch bevor die Musiker einstimmen konnten mit tosendem Applaus honoriert wurde, "St.Vincent".

Nach Marthe Vassallo und Julie Murphys Duett, "Plinn", betrat Karan Casey die Bühne. Sie lud alle vier Sängerinnen ein um mit ihr "Distant Shore" zu singen.


Karan Casey, die schönste Stimme Irlands...
Himmlisch schöne Harmonien von vier der besten Sängerinnen des Genres gesungen. "Bright Winter", eine weitere Ballade, diesmal solo von Karan vorgetragen folgte, bevor Gilles le Bigot voller Stolz Karen Matheson auf die Bühne bat. Karen sang zwei wunderschöne Balladen, "Muladach is mi air m'aineol" und das Dan Ar Braz gewidmete "Mi le M'uilinn". Gemeinsam mit Karan Casey sang sie anschließend "Lord MacDonald", ebenfalls von Karan Caseys CD Distant Shore.

Zu diesem Zeitpunkt schwebte ich bereits irgendwo auf Wolke 7, alle vier Sängerinnen präsentierten sich in Bestform und Gilles le Bigot teilte dem Publikum mit, dass er ab diesem Zeitpunkt nicht mehr wisse wer mit wem wann auf die Bühne kommt…

...und Karen Matheson, Schottlands 'voix de la terre'. "An Distro", eine slow air gesungen von Karen and Marthe - snows they melt - und Curra Road, Karan and Karen, ließen das Publikum in immer tosenderen Applaus ausbrechen. Doch dann sagte Gilles das letzte Stück des Abends an, "Oran". Bevor jedoch die vier Künstlerinnen zu singen begannen, machte uns Marthe darauf aufmerksam, dass nur ein wirklich tumultartiger Applaus sie dazu bringen konnte eine Zugabe zu spielen.

Und Karan fügte schmunzelnd hinzu, dass sie schließlich auch zum Fest-Noz möchten. Doch gab es lautstarke Standing Ovations und nur allzu gerne kamen sie zurück und boten uns eine a Kapella Vorführung vom Feinsten.

Mit einer Reprise von Oran verabschiedeten sich die 13 Musiker endgültig und genossen den wohlverdienten Applaus.

Ich möchte den Veranstaltern, dem "metteur en musique" Gilles le Bigot und den Künstlern zu dieser Vorführung gratulieren und ihnen danken. Wir hatten das Glück bei einem Konzert dabei zu sein, das die Folk Musik von seiner besten Seite zeigte und sie eindeutig als Kunstform definiert. Ich weiß nicht ob es aufgenommen wurde, die Akustik und der Klang waren hervorragend und es wäre schade, wenn wir dies nicht mit anderen Musikliebhabern teilen können.

(Adolf Goriup, Erwachsenenbildner/Schweiz, 2004)