BRETAGNE: HERBER CHARME IM NORDEN FRANKREICHS
Herbert Lenz/Golden Globe, 1998

Bretagne: herber Charme im Norden Frankreichs (Video)

VHS PAL - 60 Minuten - Farbe

Preis: ca. FF 79,95

Besprechung:

Mit einer Einführung in die bretonische Geschichte beginnt dieser Film, mit einem Blick auf Armorika - das Land am Meer - und Argoat - das bewaldete Landesinnere. So weit so gut, aber dann werden bereits die Oberflächlichkeiten einer unsauberen Recherche deutlich: da ist die Rede vom "keltischen Volk der Jungsteinzeit, das hier Zeichen seiner 450 Jahre dauernden Megalithkultur hinterließ, Menhire, Dolmen und Gräber (...) eines Toten- und Ahnenkults, der von den Römern ausgelöscht wurde" ... und leider stimmt an diesem Kommentar so gut wie gar nichts. Dabei kann man die tatsächlichen historischen Abläufe in jedem Bretagne-Führer nachlesen.

Auch wurden die bretonischen Orte nicht nach keltischen Stammesfürsten benannt, sondern nach den vielen Mönchen, die von der bretonischen Bevölkerung oft ohne "Absprache" mit Rom heiliggesprochen und als Heilige verehrt wurden und werden. Leider wird in diesem Video auch keine bretonische Musik eingespielt sondern vor allem nichtssagendes Synthesizermusik unterlegt.
Aber trotz solcher Schnitzer präsentiert das Video eine brauchbare Einführung in die bretonische Geschichte bis in unser Jahrhundert (zum Beispiel eine ausführliche Darstellung der durch Paul Gauguin bekannt gewordenen "Schule von Pont-Aven").

Die folgende Rundreise durch die Bretagne beginnt - nach einem kurzen Abstecher in den Nordosten zum Mont-Saint-Michel - im Süden an der Côte d'Amour und widmet sich mit langen Kamerafahrten der Küste, den Windsurfern, einsamen Spaziergängern am Strand und den malerischen Ferienhäusern "betuchter pariser Sommergäste" oder den Betonburgen in La Baule.
Über Benoit und Guerande geht es weiter zum Golf von Morbihan, nach Auray, wobei gelegentliche Kommentare die Geschichte, die Gezeiten oder die "pêche à pied", das Strandfischen (Muscheln, Krebse etc.) und die Muschelzucht (und die dazugehörige Gastronomie, Wein und Meeresfrüchte) erläutern.
Am Beispiel der "alignements" von Carnac erfährt der Betrachter Näheres über die Spuren der Megalithkultur in Europa und man sieht stimmungsvolle Aufnahmen aus einem manoir, die zum "Urlaub im Câteau" einladen. Die Natur wird am Beispiel der wilden und eindrucksvollen Küste des Finistère (Point du Raz, Île de sein und Cap Sizun) in farbenfrohen Bildern beschrieben und das Hinterland bietet Gelegenheit für eine kurze Darstellung bretonischer Landwirtschaft, Architektur und Alltagskultur in den Dörfern (Marktleben und Crêperien).
Berümte bretonische Persönlichkeiten wie Korsaren, Literaten und Dichterinnen leiten über zu einem Blick auf die Schlösser in der Bretagne, garniert von bretonischen Legenden.

Nach einem Besuch in Morlaix an der Nordküste gehts weiter an die Côte des Abers und zu der östlich (nicht westlich) davon liegenden Côte de Granit rose mit ihren beeindruckenden Felsformationen, wo man der Begleiterin des Filmemachers beim Fotografieren von Felsen und Möwen zuschauen darf. Abwechslung bieten danach ein Ausflug ans Cap Fréhel, zum Fort La Latte und zur Côte d'Emeraude, nach Saint-Malo (ausführlich) und durch das Rance-Tal nach Dinan (inklusive historischer Darstellungen von Anne de Bretagne und Bertrand du Guesclin)im Landesinneren.
Über Rennes ("eine Stadt, die man getrost vergessen kann"???) gelangt der Film nach Vitré und ihren Abschluß findet die Reise schließlich am Mont-Saint-Michel, dem "...Muß für jeden Reisenden".
Gerade weil am Ende des Videos dann die rede ist vom ungebrochenen Charme der Bretagne, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß man dem Film die eingesparten Produktionskosten doch ein weing zu deutlich ansehen kann.
Falsche oder oberflächliche Kommentare, säuselnde Allerweltsmusik und teilweise ermüdende Kamerablicke ... weniger empfehlenswert.